Landaus Glashütten - Fischerei - Alaun
Rezension von Werner Wiegand, 34376 Immenhausen, Lohweg 62

Georg Landau: Geschichte der Glashütten in Hessen (1843)
und andere Beiträge,
Die Geschichte der Fischerei in beiden Hessen (1865),
Geschichte der hessischen Alaunbergwerke (1854),
hrsg. v. Dieter Carl, Erster Faksimile-Nachdruck, Vellmar 2001


Den bisherigen Landau-Ausgaben läßt Dieter Carl in seiner HISTORISCHEN EDITION nun einen ersten Landau-Sammelband folgen, in dem er drei bedeutsame Veröffentlichungen des Kasseler Archivars zusammenfaßt. Es sind dies Die Geschichte der Glashütten in Hessen und der Thongruben bei Großalmerode, Die Geschichte der Fischerei in Hessen und Die Geschichte der hessischen Alaun-bergwerke.

Die Geschichte der Glashütten in Hessen und die Thongruben bei Großalmerode wurde 1843 bei Döll und Schäffer in Kassel gedruckt und hat einen Umfang von 88 Seiten." Als erste Nachrichten von den hessischen Glashütten" führt Landau solche 1443 im Reinhardswalde, ab 1446 im Kaufunger Walde und 1472 bei Wambeck an der Weser sowie unter der Burg Reichenbach 1491 an. Er beschreibt dann die "Glaserzunft" des Spessartbundes und die Verlagerung der "Zunftstätte" vom Spessart nach Großalmerode, die durch Negativauswirkungen infolge der Beteilung der Glasmacher am Bauernkriege im Spessartgebiet notwendig wurde. Den Ausschlag für Großalmerode gaben allerdings nicht nur die schon existierenden Glashütten im Kaufunger Wald, sondern die dortigen hervorragenden Tone, aus denen die "Schmelzhäfen" und "Ofensteine" gefertigt, aber auch Sand bezogen werden konnte. Die nicht weit entfernt liegende Saline in Allendorf lieferte die notwendige Asche. Für die Gläsner war aber von entscheidender Bedeutung, daß 1537 Landgraf Philipp den Bundesbrief der Zunft bestätigte und das Amt "eines Obervogts des Glaserbundes" übernahm, ihnen also seinen Schutz bot.
Überaus interessante Einblicke in die Rechte und Pflichten der Gläsner vermittelt der "Vertrag mit dem Glasnerbunde vom Jahre 1553", der im reichhaltigen Anhang unter "Beilage III" beigefügt ist.
Durch die Bewirtschaftung der Glashütten sind die Waldungen stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Landau geht deshalb auch folgerichtig auf "die Versuche des Landgrafen Wilhelm IV. zu Anwendung der Braunkohlen im Glasofen" ein. Er berichtet eingehend über die Arbeiten des in Allendorf tätigen Pfarrers Johann Rhenanus und den mit dem Landgrafen geführten Schriftverkehr. Ein erster, brauchbarer Versuch gelang aber schließlich dem "Baumeister Christoph Müller". Er konnte dem Landgrafen am 7. August 1580 "etliche mittelst blosen Kohlenfeuers bereitete Gläser nach Rotenburg" schicken. Es war Müllers Erfindung, den Kohlen vorher im Dörrofen das Wasser zu entziehen, "um die Fritte zum Schmelzen zu bringen". Die kostspieligen Experimente sind mit dem Jahre 1585 eingestellt worden, offenbar auch, weil der Absatz dieses Glases schlecht war.
Die Hütten des Gläsnerbundes stellten "nur gewöhnliches Glas" her, Kristallglas mußte aus Venedig und Böhmen bezogen werden. Nach Anwerbung des Italieners Francisco Warisco, begann 1583 der Bau eines Ofens "im weißen Hofe zu Kassel". Materialien und weitere "venetianische Glaser" kamen aus dem Ausland. Die Produktion lief anfänglich gut, doch bald gab es "Zank und Streit", bei steigenden Kosten wurde weniger Glas gefertigt. Der Landgraf zog sich zurück, auch eine Privatisierung hatte auf Dauer keinen Erfolg.
"Im Schluß der Geschichte der Glashütten" berichtet Landau über Glashüttengründungen unter den Meistern Becker, Gundlach u.a., die Anlage einer "Spiegelglashütte bei Wilhelmshausen an der Fulda", das Engagement der Herren von Buttlar, bei Ziegenhagen eine Glashütte errichten zu lassen und weitere Hüttengründungen im hessisch-hannöverschen Grenzgebiet mit den dabei auftretenden Schwierigkeiten. Eine Fundgrube ist auch die Beilage im Anhang. Landaus Ausführungen über Die "Thongruben zu Großalmerode" sind eine weitere interessante und wertvolle Ergänzung.

Die Geschichte der Fischerei in beiden Hessen ist 1865 in der Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde posthum erschienen. Die Nachlaßbearbeitung wurde durch Carl Renouard besorgt. Er weist in einem kurzen Vorwort auf die 1849 von Landau veröffentlichte "Geschichte der Jagd und der Falknerei in beiden Hessen" hin und stellt die Landausche Absicht heraus, die "Geschichte der Fischerei erst später als selbständiges Werkchen" herauszubringen. Dies war ihm jedoch nicht mehr möglich, wie auch die schwierige Materialbeschaffung aus den Archiven in ganz Deutschland ihn wohl dazu veranlaßte, den evtl. ursprünglichen Ansatz, eine "Geschichte der Fischerei in Deutschland" zu erarbeiten, auf die hessischen Lande des Kurfürstentums und des Großherzogtums zu beschränken.
Im ersten Abschnitt behandelt Landau die Wandlung der Fischerei vom allgemeinen, unteilbaren Markrecht, über einschränkende Fischereigerechtigkeiten in königlichen Bannforsten bis hin zur Vergabe von Fichereirechten als Lehen oder die Pachtfischerei durch Zinszahlung an bevorrechtigte Grundherren. Auch über die Höhe der Natural- oder Geldleistungen finden sich interessante Angaben.
Im Abschnitt über die "Fischteiche" erfährt der Leser Einzelheiten über eine sich entwickelnde Teichwirtschaft, von Teich- oder Seegräbern, von Teichmeistern und ihren Aufgaben, aber auch von Laich- und Streckteichen und vom Besatz der Teiche mit Speisefischen. Landau stellt heraus, daß nach dem 30jährigen Kriege aus Kostengründen die Teiche nicht mehr gepflegt wurden, vielfach verlandeten und damit eine geordnete Teichwirtschaft nicht mehr möglich war.
In einem weiteren Abschnitt behandelt Georg Landau "den Fischfang" in den Fischwassern in überaus anschaulicher Weise. Er bezieht sich dabei einmal auf Urkunden der fränkischen Könige, auf Anordnungen der Klöster und Territorialherren und umreißt so die sich entwickelnden und verändernden rechtlichen Voraussetzungen für den Fischfang. Wir erfahren aber in diesem Zusammenhang auch einiges über "Vorrichtungen und Geräthschaften", die in landschaftlich unterschiedlicher Weise benannt oder gehandhabt wurden. Wer kennt heute schließlich noch die Doppelbedeutung einer "Fischweide" als gemeinschaftliches Fischereirecht und als Fanggerät aus Flechtwerk oder Reisig, das durch Steine oder Pfähle befestigt wurde? Was sagen uns die Begriffe "Vennen, Macerien, Wehre, Vache, Fischschütze" ? Wissen wir mit den Bezeichnungen "Eriche, Arcken oder Aalfach" etwas anzufangen? Landau gibt Auskunft und belegt, wo und wann diese "Spezialausdrücke" gebräuchlich waren. Auch erstaunt es, daß für Schiffe, aber auch für Wanderfische, in den Wehren ein "Schlupf" gelassen werden mußte. Wir erfahren, daß "Zieh- und Zuggarne" große Netze waren und die übrigen Netze als "Waade" bezeichnet wurden. Neben den "Schragen" gab es die "Hahmen", die "Wurfgarn", das "Staubnetz", die "Lauschen", die "Lichtgarne", die "Nachtschnur", die "Reusen", aber auch die "Fließnetze", die "Lendengarne, Klebnetze" oder "Garnsäcke". Selbst Hinweise auf illegale Fischerei, durch "Tollmachen der Fische mit Olei-, Lein-, Rüben- oder Mohnkuchen", oder das "nächtliche Fischen mit Leuchten" sowie das "Fischstechen" fehlen nicht.
"Die Fischerzünfte" behandelt Landau im vierten Abschnitt. Er geht auf die "althergebrachten Gewohnheiten" oder die schriftlichen aufgestellten Ordnungen ein, die es im Hessenlande gab. Eingeschobene Beilagen enthalten z. B. "Die Ordnung der Fischer zu Witzenhausen vom Jahr 1445", díe "Rechte der fuldischen Fischer an der Fulda" oder die "Ordnung der Fischer zu Allendorf an der Werra von 1669".
In den folgenden Abschnitten berichtet Landau über "Die Landzüge", die Grenzbegängen ähnlich, jedoch zumeist per Schiff auf den Flüssen die eine Landesgrenze bildeten, durchgeführt wurden, um Rechte zu sichern oder Grenzstreitigkeiten beizulegen. Unter der Überschrift "Die Fischhege" geht der Verfasser auf die Notwendigkeit zur "Sicherung und Erhaltung" der Fischerei ein und berichtet über Hegezeiten und Strafandrohungen bei "Störungen der Fischwasser". Er nennt u.a. die hessen-kasselische Ordnung von 1777 und die hessen-darmstädtische Verordnung von 1642, verweist aber auch auf frühere Regelungen im Bedarfsfalle (Verbot der Flachsröste, Beschränkung der Entenhaltung, Verhalten bei Hochwasser usw.).
Wo Verordnungen erlassen wurden, gab es Überwachung, Strafandrohung und schließlich Sanktionen. Diese "Bestrafung der Fischdiebe" füllt ein weiteres Kapitel. Wie bei erwischten Wilddieben trat auch bei Fischdieben in frühen Jahren häufig der Henker seine Arbeit mit Richtschwert oder Strang, später werden zumeist Geldstrafen verhängt. Waren die Diebe Soldaten, blühte ihnen das "Gassenlaufen", illegal fischende Offiziere landeten u.U. auf der Festung.
Im letzten Abschnitt gibt Landau eine Übersicht der in Hessen vorkommenden Fische, wobei er sich z.T. auf damals gängige Werke bezieht. Man findet den Barsch in der "Ersten Ordnung", über "Kaulkopf, Stichling, Karpfen, die Karausche, den Bitterling, Grasse und Schleihe, die Ellerütze" oder "die Grundel, den Lachs und den Aal", bis hin zur dreißigsten Ordnung mit den "Neunaugen" und den "Krebsen". Mit einem kurzen Hinweis auf den Verbrauch von Seefischen in Hessen beschließt Landau seine auch heute noch sehr interessante, lesenswerte Abhandlung.

In der Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde erschien 1854 Georg Landaus Geschichte der hessischen Alaunbergwerke. Die Ausführungen muten stellenweise etwas "fragmentarisch" an, denn die Quellenlage ist, wie der Autor mehrfach bedauernd betont, stellenweise dürftig. Trotz dieses Mangels sind die zusammengetragenen Fakten gerade für den heutigen Leser bemerkenswert. Wann kommt er schließlich noch bewußt mit dem Salz in Berührung, vielleicht, wenn er sich bei einem Rasierschnitt der blutstillenden Wirkung bedient, was auch nur noch selten vorkommt, da elektrische Rasierer zumeist die Barthaare stutzen. Die Herstellung von "Doppelsulfaten" besorgt heute die chemische Industrie z.B. aus Bauxit oder Kaolin.
Landau verweist eingangs allgemein darauf, daß "die ältesten Alaunsiedereien in der Levante und in Italien" bestanden hätten, ihm ist offenbar aber nicht bekannt, daß das Salz schon bei den Ägyptern bekannt gewesen ist. Andererseits führt er die ideologisch-religiös geprägten Einflußnahmen des Vatikans über Jahrhunderte auf Produktion und Handel an.
In Deutschland sind erste Alaunsiedereien im 16. Jahrhundert in Sachsen und im Mansfeldischen vermerkt. In Hessen entstand ein erstes Werk 1564 bei Oberkaufungen, es folgte ein weiteres am Hirschberg bei Großalmerode. Den Produktionsablauf beschreibt Landau recht anschaulich, wobei er das Ausgangsmineral mit dem damals geläufigen Namen Alaunerz bezeichnet, aber darauf hinweist, daß es sich in Hessen um "die thonige Ablagerung der Braunkohle" handelte, die man "Alaunerde" nannte. So entstanden denn auch alle Werke in der Nähe von Braunkohlevorkommen.
Im Produktionsprozeß trat die Braunkohle als Brennmaterial mehr und mehr in den Vordergrund, doch auch Holz wurde zum Heizen und Stollenverbau benötigt, was häufig für die durch die Waldglashütten verwüsteten Wälder eine nochmalige Dauerbelastung bedeutete. "Die meisten Werke gehörten Gewerkschaften, die sie an einzelne Alaunsieder verpachteten, die neben der Pacht auch den Zehnten" an den Landesherrn zu entrichten hatten. Jedes Faß Alaun galt erst dann für den Verkauf freigegeben, wenn es mit einem Löwen gestempelt worden war.
Landau stellt bedauernd fest, daß er für "die frühere Zeit" nur für das Jahr 1721 "einen Gesamtüberblick" geben kann. Es bestanden damals nur vier Werke in Hessen, besser in Niederhessen, die "116 Arbeiter bei 6230 Thalern" jährlichem "Lohn" beschäftigten. Es zogen aber zur Sammlung des Urins, den die Werke brauchten, 300 Personen durchs Land, für die man 900 Thaler veranschlagte. Die Alaunproduktion lag bei ca. 1600 Zentner, was einem Wert von 7200 Thalern entsprach.
Im weiteren geht der Autor auf die nachgewiesenen Alaunwerke ein und beschreibt sie nach Aktenlage. Es werden Betreiber genannt, Übereinkünfte verzeichnet und besondere Vorkommnisse vermerkt. Auch Schwierigkeiten bei der Produktion und im Bergbau, hier vor allem durch Wasser und Feuer, finden Erwähnung. An den eingefügten Zehntlisten oder Produktionsangaben kann der Leser die betrieblichen Entwicklungen verfolgen, die häufig durch kriegerische Ereignisse zwangsweise beendet wurden, einige allerdings haben Bestand bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts.
Auch diese Arbeit Georg Landaus ist ein wichtiger Beitrag zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte unserer Heimat und mit Recht in den Sammelband der HISTORISCHEN EDITION DIETER CARL aufgenommen worden.
Es ist zu wünschen, daß der Sammelband Landau viele heimatgeschichtlich interessierte Leser findet und daß Dieter Carl den Mut hat, weitere "bibliophile Schätze" zu heben und sie in bekannt guter Aufmachung anzubieten.