Landaus Hessengau
Rezension von Helmut Rosenkranz

Georg Landau: Beschreibung des Hessengaues,
Faksimile-Nachdruck der Ausgabe von 1866, hrsg. v. Dieter Carl, Vellmar 1999

Der Historiker Dieter Carl aus Vellmar macht es sich - nachdem er zuerst "Die Grebenordnung von 1739" herausgegeben hat - nun offensichtlich zur Aufgabe, nach und nach die Werke Georg Landaus im Faksimile-Druck neu erscheinen zu lassen. Denn bereits vor kurzem brachte er Georg Landaus "Wüste Ortschaften" (1858) heraus und nun die "Beschreibung des Hessengaues" in der Ausgabe von 1866.
Diese Vorliebe für die Publikationen des namhaften hessischen Archivars und Geschichtsforschers hat bereits eine große Resonanz bei vielen gefunden, die sich mit der Vergangenheit ihrer Vorfahren im alten Hessenland beschäftigen.
In seiner Einleitung schildert Landau ausführlich die Entwicklung des Stammesverbandes der Chatten bis hin zu den Hessen, die frühen Territorialbildungen zu Grafschaften sowie den späteren Übergang in die Landesherrschaft. Weltliche und kirchliche Einteilungen in Gerichte und Pfarreien folgen im Hauptteil des Buches. Dabei ist von besonderem Interesse, welche Örtlichkeiten zu einem jeweiligen Gericht oder einer Pfarrei gehörten und in welchen Jahren sie zuerst genannt sind. Bei den einzelnen Gerichten geht Landau auch auf die geschichtliche Entwicklung und die meist adeligen Besitzer ein, deren Grundherrschaft schnell überblickt werden kann.
Das Werk enthält die Namen des gesamten hessischen Uradels, der im Text ausführlichere Erwähnung findet. Somit ist diese Beschreibung Landaus auch für den Familienforscher von großem Interesse. Denn auf diese Kenntnisse ist der Genealoge natürlich letzten Endes angewiesen, wenn er eine sinnvolle Arbeit leisten will. Daher ist die "Beschreibung des Hessengaues" zumindest für alle, die Vorfahren in diesem Gebiet haben, ein Buch, auf das sie nicht verzichten sollten.
Ein allgemeiner Überblick über die äußeren Grenzen des Gebietes, die Unterscheidung zu den Nachbarn, die innere Gestaltung, die Landstände, die ältesten Burgen, die Städte und Klöster schließen das Werk ab. Obwohl in vielen geschichtlichen Büchern des 19. Jahrhunderts keine Register vorhanden sind, so ist bei Landau besonders hervorzuheben, daß seinen Werken derartige Register eben nicht fehlen. Und so enthält der "Hessengau" ein umfangreiches "Orts-Register", ein "Register über den Besitz" und ein "Register über Gewässer und Gebirge". Enthalten ist in dem Band übrigens auch die große ausfaltbare Karte des Hessengaues. Insgesamt ein Handbuch über die mittelalterlichen Verhältnisse mit besonderem Bezug auf den Adel und die Ortsgeschichte.
Bereits der Historiker Heinrich Leo urteilte:
"Hätten wir überall so vortreffliche Vorarbeiten, wie die Gaubeschreibungen Landau's, so wäre es natürlich leicht, durch Auszüge aus ihnen eine anreichend tüchtige Geographie Deutschlands im Mittelalter herzustellen."
Da die Originalausgaben des Hessengaues nur noch in Bibliotheken einzusehen sind und sich nur sehr selten in Privatbesitz befinden, sollte sich jeder Historiker, Genealoge, Heimatforscher und Faksimilesammler bemühen, seine Büchersammlung durch dieses schöne und fest eingebundene Buch zu ergänzen.