Landaus Ritterburgen
Eine zusammenfassende Betrachtung von Dieter Carl

Georg Landau: Die hessischen Ritterburgen und ihre Besitzer,
Kassel 1832-1839, Faksimile-Nachdruck, hrsg. v. Dieter Carl, Vellmar 2000

Wer die Spur seiner Ahnen mit Passion verfolgt, wird mit großer Wahrscheinlichkeit über kurz oder lang zu Verzweigungen gelangen, die ihm die Gewißheit geben, dass auch er adelige Vorfahren besitzt. Und gerade über sie Genaueres zu erfahren, ist dann ein sehr verständliches Interesse. Saßen die Herren in Hessen, dann bleibt der Rückgriff auf "Die hessischen Ritterburgen und ihre Besitzer" von Georg Landau unverzichtbar. Denn es gibt bis zum heutigen Tage nichts Vergleichbares, was an die Ausführlichkeit dieser Untersuchung heranreicht. Die als Erstausgabe 1832-1839 herausgegebenen vier Bände sind durch Stahlstiche illustriert. Hinzu kommen zahlreiche genealogische Tafeln.
Nun schmücken jedoch nur in den wenigsten Fällen diese vier Bände einen privaten Bücherschrank. Sammler von Hassiaca schätzen sich glücklich, einen "Landau" zu besitzen. Die Einsicht in diese Bücher ist allein noch möglich in großen Bibliotheken, Archiven oder Museen. Wer die Raritäten in Antiquariaten suchte, muß sich meist jahrelang gedulden, um fündig zu werden.

Was Georg Landau vor allem auszeichnet, ist der ungeheure Fleiß und die Detailarbeit, mit der er die Gegenstände, auf die sich sein Forschungsinteresse richtete, durchdrang. "Schon der 24jährige", so sein Biograph Wilhelm Niemeyer, "legte 1824 den ersten Band der ‚Hessischen Ritterburgen und ihrer Besitzer' vor, der die interessierte Öffentlichkeit, aber auch die Archivverwaltung aufhorchen ließ ... bis 1839 folgten drei weitere Bände. Mit diesem Werk ... hat sich Landau zugleich als einer der ersten wissenschaftlichen Genealogen bewährt, und noch heute wird ihm innerhalb der zahlreichen Werke über hessische Adelsfamilien eine besondere Stellung zuerkannt."
Seine Quellen fand Landau, wie er selbst hervorhebt, im kurhessischen Haupt- und Staatsarchiv, aber: "Einen nicht unansehnlichen Beitrag lieferte mir auch das geheime Staatsarchiv zu Darmstadt" . Insgesamt sei "eine Masse von Nachrichten gesammelt" worden, wie es im Vorwort heißt. Dabei hat er "die früher mit lächerlicher Geheimnißthuerei bewachten Archive gelichtet und jedes Bestehenden Ursprung und Entwicklung nachgeforscht." Insbesondere verzichtete er auch nicht "auf die Mittheilung von Tatsachen, welche den handelnden Personen nicht zur Ehre gereichen", bekennt jedoch: "Mein Zweck ist keineswegs, vorzugsweise das Auffallende und Gehässige aufzuspüren und zu veröffentlichen, sondern das urkundlich und aktenmäßig feststehende Treiben und Wirken der einzelnen Familien ... möglichst genau darzustellen" .
Dass Landau sich nicht streng an die politischen Grenzen seiner Zeit gebunden fühlte, zeigt sich nicht nur in seiner "Beschreibung der wüsten Ortschaften" und in der "Beschreibung des Hessengaues", mehr noch wird es offenkundig in den "Ritterburgen". Denn hier erstreckt sich das behandelte Gebiet weit über die Grenzen des Kurfürstenthums hinaus auch über das Großherzogtum Hessen-Darmstadt. Damit sind diese einzigartigen Burgenbücher seltene Erscheinungen für die Zeit des 19. Jahrhunderts, in der auf der Ebene der Landeskunde die territoriale Historiographie vorherrschte.
Bei der inhaltlichen Abfolge der einzelnen Burgen lässt sich bei Landau kein geographisch planmäßiges Ausschreiten erkennen. Es ist daher anzunehmen, dass das Studium der jeweiligen Archivalien, denen er sich zuwandte, hier den Ausschlag gab. Dennoch: Georg Landau war trotz seiner unübertroffenen Quellenkenntnis nicht der trockene Stubengelehrte. "Denn so reichhaltig ... unsere historische Literatur ist", heißt es 1841, "so war ich doch genötigt, von den meisten Orten mir das historische Bild erst selbst zu schaffen" , und nach eigener Angabe schrieb er "weniger für den Gelehrten, als für den Gebildeten im Allgemeinen" . Es ist ganz sicher davon auszugehen, dass ihm alle Ritterburgen, über die er berichtet, durch eingehende Besichtigungen vertraut waren. Viele Wegstrecken muss er dabei zu Fuß zurückgelegt haben, um sich einen unmittelbaren Eindruck zu verschaffen. Hierauf ist sicher auch die Bildhaftigkeit seiner Beschreibungen zurückzuführen, die sich allerdings nicht allein auf die von ihm unmittelbar selbst gewonnene Anschauung beschränkt, sondern auch auf die Darstellung historischer Ereignisse. Aus diesem Grunde liegt es nahe, Georg Landaus Erklärungen vielfach im Wortlaut folgen zu lassen und somit gleichzeitig Leseproben aus seinem Werk zu geben. Ganz ohne Zweifel hat die sprachliche Kraft dieses Historikers ihren eigenen Reiz, wenn er den Blick in die Vergangenheit richtet und eine versunkene Zeit neu vor uns entstehen lässt:
"Nirgends kann uns das Bild von dem Treiben und Streben der ehemaligen Ritterwelt lebendiger werden, als wenn wir ihre, auf wolkigen Höhen liegenden, nun meistens in Trümmern gestürzten, Wohnsitze ersteigen. Wenn man uns dann die Geschichte hinaufführt in jene Zeiten, wo noch hier der Ritter in seinem Eisengewande athmete, und wenn wir dann die himmelanstrebenden Thürme, die noch trotzenden altergrauten Mauern, diese Gräben und Scharten schauen, dann muß sich das unruhevolle Leben, der nie sich endende Kampf und das stürmische Wogen der Leidenschaften klar und licht der Phantasie gleich einem Gemälde entgegenstellen, welches nur wenige und heitere Seiten zeigt."
Im Folgenden soll zumindest der Versuch unternommen werden, einen Eindruck von der Vielfalt dieses Gesamtwerkes zu vermitteln. Da die vorgestellten Burgen durch die Inhaltsverzeichnisse der einzelnen Bände leicht auffindbar sind, wurde darauf verzichtet, Anmerkungen zu setzen. Landau selbst gibt in allen wichtigen Fällen am Ende des jeweiligen Kapitels Quellen und Literatur an, die jeweiligen Untersuchungsergebnissen zugrunde liegen.
Um die Genauigkeit seiner Nachweise zu verdeutlichen, seien die einzelnen Fundstellen bei den Beschreibungen von Burg Reichenbach und Burg Steinau einmal beispielhaft mitaufgeführt. "Die Entstehung Reichenbachs," so schreibt Landau, welches früher Widdergreis geheißen haben soll, wird von den älteren Chronistenschreibern in die frühesten Zeiten versetzt; sie lassen dieses Schloß von den Römern erbaut werden". Hierauf folgt der Beleg: "Dilich I, S. 154 erzählt, man habe hier alte römische Goldmünzen mit den Bildnissen Nero's und Trajan's gefunden." Im weiteren führt er aus, wie Dilich weiter berichtet, nämlich, "daß nachdem Pipin der Kleine, Karls des Großen Vater, die Hessen und Buchonier zum christlichen Glauben bekehrt, er von vier Grafen, welche er zur Bewachung dieser Länder niedergesetzt, einem derselben Reichenbach zum Sitze angewiesen habe. Auch lassen sie den Herzog Burchard von Thüringen, einen Schwiegersohn oder Schwager Conrad's von Hessen, hier residiren und melden endlich auch, daß Reichenbach ehemals einen Grafen von Reichenbach gehabt habe." Mit diesem Rückgriff wird der Leser erst umfassend ins Bild gesetzt, denn er erfährt, welche Darstellungen vor der Erscheinung der "Ritterburgen" durch die ältere Historiographie Verbreitung fanden. Doch genau über diesen Sachverhalt klärt Landau sofort auf: "Alles diese müssen wir auf sich selbst beruhen lassen, denn geschichtliche Beweise finden sich nirgends dafür." Dann folgen die Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Arbeit: "wir lernen es erst im zwölften Jahrhundert kennen und zwar im Besitze der Grafen von Ziegenhain, von denen sich eine Linie nach ihm Grafen von Reichenbach nannte. Gozmar II., ist der erste, der unter diesem Namen erscheint; er lebte in der ersten Hälfte des zwölften Jahrhunderts und wird für den Stammvater der reichenbachschen Linie gehalten." Hierzu findet sich die Anmerkung: "Wenck's hess. Landesgesch. Th. II. Urkbch. S. 32.". Seltener finden sich Hinweise, dann jedoch vorzugsweise zur Literatur, direkt innerhalb des Textes selbst, etwa, wenn er, wie hier im Zusammenhang mit den Grafen von Reichenbach, hinsichtlich der "Geschichte der beiden ziegenhainschen Häuser" hervorhebt, er "verweise auf Herrn von Rommel's Geschichte von Hessen (Th. I. u. II.) und Herrn Schmidt's hessendarmstädische Geschichte (Th. II. S. 221 etc.)."
Der meist umfangreiche Apparat jeweils am Schluss der einzelnen Kapitel erschöpft sich jedoch nicht allein in der Aufführung von Literaturhinweisen und von gedruckten ebenso wie ungedruckten Quellen, sondern es erfolgen, hiermit verbunden, auch noch zusätzlich detailliertere Erklärungen an dieser Stelle. So etwa, um noch ein Beispiel hinzuzufügen, heißt es zur Burg Steinau: "Etwa anderthalb Stunden nördlich von Fulda liegt in einer Thalebene, welche gegen Morgen die Höhen der Rhön umsäumen, von der Haune durchflossen, das Dörfchen Steinau. An seinem östlichen Ende erhebt sich noch jetzt, zum Theil erhalten, zum Theil in Trümmern versunken, das gleichnamige Schloß, einst der Stammsitz einer der ältesten buchischen Familien von niederem Adel. Schon im Jahre 1105 finden sich drei Brüder Ditmar, Vinnod und Freidrich von Steinau (Steinaha) in einer Urkunde des hersfeldschen Dienstmannes Vinnold." Hier merkt Landau an "Wenck II. U. S. 54." Dann fährt er fort: "Eberhard v. St. bezeugte 1197 eine Urkunde des fuldischen Abts Heinrich III." und hierzu nun formuliert Landau in der Anmerkung einen Kommentar, der gleichzeitig aufschlußreiche Einblicke in seine Arbeitsweise gewährt: "Schannat C. P. H. F. p. 199. Es finden sich zwar noch mehrere von Steinau aus jener Zeit, aber es ist zu ungewiß, ob sie zu dieser Familie gehörten. So findet sich Blieger von Steinaha 1209 zu Mainz (Wenck II. U. S. 131) und Konrad von Steinaha 1219 zu Frankfurt a. M., wo er mit seiner Gattin Adelheid die Schenkung seines Schwiegervaters E. Waro des Waldes Eberhardeswarenforst an das Kloster Eberbach bestätigt (Gud. C. D. V. p. 755). Die Annahme, daß die von Steinhaus (Lapidae domo) eine Linie der von Steinau gewesen, läßt sich durch nichts erweisen und ist bloß dadurch entstanden, daß man deren Sitz in das bei Steinau liegende Dörfchen Steinhaus legte, welches jedoch gleichfalls eine durch nichts begründete Vermutung ist. Ueberhaupt gab es der Familie des Namens sehr viele."
Das Mittelalter, Georg Landau selbst nur mittelbar durch die Kunde der Quellen vertraut, steigt herauf durch die Nähe der steinernen Zeugnisse. Aber auch deren gegenwärtige Zustände sind ihm wichtig. So bei der Schilderung der wechselvollen Geschichte von Schloss Friedewa ld. Vorangestellt ist hier, wie zu jedem Kapitel, ein poetischer Epilog, den Landau als charakterisierend auswählte: "Leer gebrannt/ ist die Stätte,/ wilder Stürme rauhes Bette/ In den öden Fensterhöhlen/ wohnt das Grauen/ Und des Himmels Wolken schauen/ hoch hinein." (Friedrich Schiller, Die Glocke) Dann beschreibt er die Umgebung "In einem Thale des Seulingswaldes" und den "Flecken Friedewald, etwa dritthalb Stunden von Hersfeld. An seinem oberen Ende liegen die Trümmer seines stattlichen Wasserschlosses, dessen Geschichte in so mancher Hinsicht - bald als der Sitz glänzender Fürstenversammlungen, bald als der Ort kriegerischen Mutes und hoher Tapferkeit - merkwürdig ist und für dessen möglichste Erhaltung man, als für die eines heiligen Denkmals, Sorge tragen sollte ... Nachdem 1476 Landgraf Heinrich III. von Reinhard v. Altenburg und Helwig und Ludwig v. Rückershausen, die denselben im Schlosse Friedewald zustehenden Burgsitze, mit anderen in der Umgebung gelegenen Gütern, angekauft, ließ derselbe die alten Burggebäude niederreißen und an deren Stelle das noch gegenwärtig in seinen Trümmern vorhandene Schloß aufführen." Und nun folgt eine Beschreibung, die zwar wiederholt daran erinnert, dass hier nur noch die Reste einer vormaligen Wehranlange zu besichtigen sind, jedoch im gleichen Zuge die Vergangenheit vor dem inneren Auge neu erstehen lässt: "Das Schloß bildet ein regelmäßiges Viereck, an dessen Ecken sich mächtige runde Thürme oder Basteien erheben und das ringsum ein tiefer an sechzig Fuß breiter Wassergraben umschlingt. Von dem sehr geräumigen Hof der bedeutenden Oeconomie-Gebäude kommt man über einen Erdwall, der die Stelle der ehemaligen Zugbrücke vertritt, zu dem Schloßthor, über welchem man noch den Behälter des Thorwächters sieht, und so in einen engen Schloßhof. Links führt eine Thüre in die Mauern des eigentlichen Schloßgebäudes, welches diese ganze Seite einnimmt und größtentheils nach dem Flecken blickt." Soviel mag als Beispiel genügen. Immer wieder verbindet Landau das, was er gegenwärtig erblickt, mit der mittelalterlichen Welt der Ritterburgen, so dass ein geschlossenes Bild entsteht. Damit weitet er das Blickfeld und schließt zugleich den Kreis der Geschlechter, wie etwa bei den Schenk von Schweinsberg, Erbschenke in Hessen: "Die Sage erzählt, daß ein Walter mit der heiligen Elisabeth aus Ungarn nach Hessen gekommen sey, sich hier eine Burg erbaut, und da er auf dem dicht bewachsenem Berge viele Schweine getroffen, sie Schweinsberg genannt habe. Dieser Walter sey nun der Stammvater der Schenke zu Schweinsberg." Von der Erwähnung dieses sagenhaften Stammvaters ausgehend, schildert Landau die Geschichte diese Geschlechtes in ritterlicher Zeit, hält es dabei allerdings nicht für unbedeutend", das Grabmal des verstorbenen Landraths Schenk zu Schweinsberg, der mit seiner Gattin in einem alten Gewölbe ruht", eingehender zu würdigen: "Das Grabmal selbst, von einem Eisengeländer und Blumenanlagen umschlossen, ist von rohem Sandstein und im gothischen Geschmacke bearbeitet. Auf seinen drei Seiten hat es die Inschrift: ‚Johann Moritz Schenk zu Schweinsberg 1825 - Geboren d. 27. März 1736. gestorben d. 11 Octhr. 1822 - Seine Gattin Louise von Loewenstein geb. d. 8. Aug. 1739. gest. 9. März 1821."
Schloss Ziegenberg: "Das Schloß Ziegenberg war ehemals der Hauptort einer besonderen Herrschaft, welche wir während des 12. und 13. Jahrhunderts in den Besitz eines eigenen Dynasten-Geschlechts finden, das sich nach seinem Stammsitze, dem Schlosse Ziegenberg, welches wenigstens schon im Anfang des 12. Jahrhunderts vorhanden war, Edelherrn (nobiles viri oder domini) von Ziegenberg nannte." Über dieses heute nur noch wenig bekannte Geschlecht berichtet Landau ausführlich. Daneben kommen zahlreiche weitere Familien zur Sprache, die zu den ehemaligen Herren und deren Burg in Beziehung standen. Hierzu gehören u. a. die Grafen von Felsberg, von Mansfeld, von Waldeck, die Herren von Buttlar, von Plesse, von Naumburg, von Hanstein, von Berlepsch, von Leimbach, von Grohnde, von Bischofshausen, von Adelepsen. Diese Reihe ließe sich beliebig fortsetzen bei einer Auswertung aller vier Bände der "Ritterburgen" Georg Landaus. Es gibt kein vergleichbares Werk, das im Hinblick auf den althessischen Adel eine solch reiche Fülle genealogischer Details berichtet. Hinzu kommen die wechselnden Besitzrechte, bei denen auch Klöster und Städte im gesamten Hessenland und über dessen Grenzen hinaus ihre Erwähnung finden. Überaus zahlreich genannt werden in diesem Zusammenhang auch die einzelnen Dörfer, zu deren Geschichte sich hier Einzelheiten finden, nach denen Historiker und Heimatforscher oftmals vergeblich in den Beständen der Archive gesucht haben.
Ein Beispiel dafür, dass Landau die unrühmlichen Taten der Nachkommenschaft - selbst höchster Kreise - nicht verschweigt, bietet das, was sich einst auf Burg Ulrichstein ereignete. Philipp der Großmütige hatte "in seinem Testamente seinen mit der Margarethe von der Sahl erzeugten 7 Söhnen, den Grafen von Dietz" umfangreiche Besitzrechte eingeräumt, darunter die Burg Ulrichstein, wo "die vier ältesten Brüder Philipp, Hermann, Christoph Ernst und Albrecht ... ihren Sitz nahmen ... Hatten sich diese bei den Lebzeiten ihres Vaters schon so betragen, daß dieser oft Anlaß zu strafen gefunden hatte, so wurde nun ... ihr Treiben um so wilder und zügelloser, und ihre Leidenschaften schienen jeder Fessel entledigt. Dem Grafen Hermann führte ein Vater sogar die eigene Tochter zu, die dadurch die Lustseuche erhielt und an derselben eines elenden Todes starb ... Philipp und Albrecht ... fielen 1569 ... Als nach der Nachricht von des erstern Tode zuweilen des Nachts am Burgberge sich eine Hellung zeigte, erklärte der Volksglaube dieselbe für Graf Philipps irrenden Geist. Nur allein Graf Christoph Ernst behielt seinen Sitz auf Ulrichstein, und machte sich bald zum Schrecken der Umgegend. In der Befriedigung seiner glühenden Wollust ungezügelt, wurde Ulrichstein die Stätte, auf der die Unschuld einer großen Zahl von Mädchen gemordet wurde. Vorzüglich waren es drei Weiber, die ihm als Kupplerinnen dienten und die, unterstützt von zwei seiner Diener, Mädchen, von denen sie glaubten, daß sie dem Grafen gefallen würden, unter allerlei Vorwänden nach Ulrichstein lockten. Ihren Widerstand besiegte der Graf durch die schrecklichsten Mißhandlungen, und ihr Hülfeschrei tönte oft so laut durch die Stille der Nacht, daß die Hunde im Zwinger, davon aufgeschreckt und geängstigt, in grauenerregendes Heulen ausbrachen. Zu seinen Drohungen gehörte das Einsperren in den Eselstall, das verrufene Gefängniß des Schloßes ... Die Landgrafen entschlossen sich deshalb, diesem Treiben ein Ende zu machen ... durch einen Handstreich gegen den Grafen ... In der Nacht vom 6. auf den 7. April 1570 setzten sich die Landgrafen Ludwig und Georg an die Spitze von 200 Reitern und 2000 Mann Fußvolk und erschienen Morgens um drei Uhr pünktlich vor Ulrichstein; schnell wurden die Thore und Pforten gesprengt und der aus dem Schlaf auftaumelnde Graf mit all den Seinigen gefangen genommen. Die letzteren wurden nur zum Teil festgesetzt, der Graf aber in einer verdeckten Kutsche nach Ziegenhain geführt ... Eine lange traurige Zeit verlebte er hier, und erst der Tod löste die Bande seines Kerkers ... Er starb am 20. April 1603 ... Mit Christoph Ernst schloß sich die männliche Nachkommenschaft der Margarethe von der Sahl."
Burg Hauneck: "Die Aussicht von der Höhe ist wunderschön und reicht bis zu einer außerordentlichen Entfernung ... Deutlich sieht man den Herzberg, Wallenstein, das nicht ferne Schlitz, Hünfeld, den Gehülfensberg, Biberstein, Ebersberg, die hohe Milseburg, Haselstein, Fürsteneck, Landeck, Dreienberg, Eiterfeld, Schenklengsfeld u. a. m." Unweit Hersfeld auch Burghaune "die Stammburg der alten buchischen Familie von Haune, deren Fehden und wildes Raubleben ihren Namen unter die gefürchtetsten Fulda's stellen."
Burg Löwenstein, Sitz der Herren von Löwenstein, wurde erbaut vom Stammvater dieses Geschlechts, Werner von Bischoffshausen, Statthalter von Hessen. "Bis zur Mitte des zwölften Jahrhunderts führt die Geschichte der von Löwenstein zurück, aber erst seit dem Ende des dreizehnten Jahrhunderts nahmen sie den gegenwärtigen Namen an." Warum dieser Namenswechsel erfolgte, wird genau erklärt: "Noch vor jener Namensveränderung begann sich schon die Familie in drei Linien zu teilen ... und jede einzelne Linie bezeichnete sich noch durch einen besonderen Beinamen, nämlich von Löwenstein-Westerburg, von Löwenstein-Schweinsberg und von Löwenstein-Löwenstein"; anschließend erörtert Landau die genealogischen Verflechtungen im Detail.
Reich begütert war das niederadelige Geschlecht derer von Romrod. Ihr gleichnamiges Schoß, gelegen im großherzoglich hessischen Städtchen Romrod, wurde erst im 16. Jahrhundert erbaut. "Der erste bekannte von der Familie Romrod ist Ludwig, der in einer Urkunde des Abts Heinrich III. von Fulda vom Jahre 1197 sich als Zeuge findet." Im Folgenden zeigt Landau den Stammbaum dieser Familie mit großer Genauigkeit auf.
Nicht fern von Hünfeld liegt die Burg Haselstein: "Die Burgstätte ist klein und von wildem Gesträuch und selbst kleinen Bäumen bewachsen ... von den Resten der Burg ist jedoch nur noch wenig übrig. Schon im 12. Jahrhundert hatte die Burg ein eignes, ihren Namen führendes Geschlecht zu ihren Bewohnern, welches sie von der Abtei Fulda zu Lehen trug."
Burg Brandenfels: "im Süden des Kreises Eschwege, etwa drei gute Stunden von Eisenach und drei Stunden von Netra". Sie "wurde von der mächtigen Familie der v. Boineburg ... erbaut, von der sich nun eine Linie absonderte, die den Namen v. Brandenfels annahm." Später hatten dort ihren Sitz die Treusch von Buttlar.
Burg Bilstein am östlichen Fuße des Meißners: "Das älteste Geschlecht der Grafen von Bilstein umhüllt ein tiefes Dunkel, das sich besonders erst im dreizehnten Jahrhundert aufhellt. Ob schon ein im Jahre 860, zur Zeit Ludwig des Frommen verstorbener Graf Erb oder Erpho, dessen Freigebigkeit die Kirchen zu Fulda und Würzburg nicht wenig bereicherte, ein Ahn der Grafen von Bilstein gewesen, läßt sich nicht erweisen ... Erst Graf Wigger läßt sich mit Gewissheit zu ihnen zählen." Von da an gibt Landau eine lückenlose Beschreibung aller Repräsentanten dieses Geschlechtes bis zu dessen Aussterben: "Graf Otto war der letzte seines Geschlechtes. Er verzichtete 1301 auf alle seine Rechte an der Präpositur zu Abterode und verkaufte auch in demselben Jahr einen großen Theil seiner Activlehen an den Landgrafen Heinrich von Hessen. Dieser Verkauf gibt einen ... Ueberblick über die die Besitzungen der Grafen von Bilstein. Man lernt bei dieser Gelegenheit als Vasallen kennen: die von Schwarzenberg, Helfenberg, Frohnhausen, Lichtberg, Cappel, Reichenbach, Boineburg, Bonsten, Lichtberg, Aue, Eselskop, Hundelshausen, Vierbach, Hohne, Jude, Tuttleben, Harstall, Rogelderode, Frankershausen, Wickardesa, Stein, Haus, Weberstätt, Kreuzberg, Weidenhausen, Schlutwingsdorf ...". Auch auf die Lehngüter, welche diese besaßen, wird eingegangen. Wenig später ging die Burg in den Besitz der Landgrafen über. Eingegangen werden soll an dieser Stelle jedoch noch auf eine Sage, die sich um den Bilstein rankt. Landau: "Der letzte Graf, so erzählt dieselbe, kam mit mehreren seiner Nachbarn in eine Fehde; stark gerüstet zogen diese vor den Bilstein, doch alle ihre Angriffe wurden abgeschlagen, da sie die schroffen Felsen des Burgbergs nicht zu ersteigen vermochten. Da entschlossen sie sich, die Burg eng einzuschließen und durch Hunger ihren Feind zur Ergebung zu zwingen. Doch auch dieses schien ihnen nicht zu gelingen ... Endlich machten sie die Entdeckung, daß der am Fuße des Burgbergs wohnende Müller das Schloß durch einen verborgenen Gang mit Lebensmitteln versorgen. Schnell wurde diesem seine Beschäftigung gelegt. Bald waren nun die Lebensmittel aufgebraucht und dem Grafen blieb nur die Wahl zwischen Ergebung und dem Hungertode. Doch dieser kannte noch ein drittes Auskunftsmittel, zu welchem ihn nur übertriebener Stolz oder die höchst feindliche Erbitterung vermocht haben konnte. Kühn, wie ein Heros, besteigt er mit Weib und Tochter einen mit wilden Rossen bespannten Wagen und stürzt sich von der Höhe des Burgberges hinab in die gräßliche Tiefe."
Ausführlich kommen die Burgen des Wolfhager Landes zur Sprache. So "die Trümmer des ehemaligen festen Schlosses Weidelberg oder Weidelburg". Hier saß auch Reinhard von Dalwigk, der ungeborene, so genannt, weil er durch einen Kaiserschnitt zur Welt kam. Seit 1437 war er "Lehn- und Burgmann auf der Weidelburg, einer der kühnsten Ritter seiner Zeit, aber voll unruhigen Geistes ... Wegen seines Reichthums und großen Aufwands, denn er hielt immer 2 - 3 Edelleute und über 20 reisige Pferde auf seiner Burg, erregte er Eifersucht und Neid unter dem benachbarten Adel."
Weiterhin Burg Helfenberg "eine Stunde östlich von Wolfhagen, beinahe in der Mitte zwischen dieser Stadt und dem Dorfe Wenigenhasungen". Hier wird nicht nur auf die Familie von Helfenberg eingegangen, sondern es findet sich auch ein ausführliches Verzeichnis ihrer Güter in Niederhessen und Oberhessen, im Waldeckischen, im Westfälischen und im Nassauischen, wobei die wüsten Ortschaften als solche gekennzeichnet sind. Im nächsten Kapitel wird die Geschichte der Familie Helfenberg in einer Seitenlinie fortgeführt.
Es wird berichtet von den beiden Gudenburgen bei Zierenberg und den damit verbundenen Groppe von Gudenburg, den Wolfe von Gudenburg sowie von den von Gudenburg, welche 1535 von den Malsburgern beerbt wurden. Hierzu findet sich eine detaillierte Aufzählung des Besitzes und Geschlechtstafeln zu allen drei Stämmen.
Burg Schartenberg "nördlich von Zierenberg, kaum ¾ Stunden von diesem Städtchen", Sitz der Familie Schartenberg, die bereits im 14. Jahrhundert ausstarb - "später erscheinen zwar noch einige Edelleute unter dem Namen v. Schartenberg ... doch diese gehören nicht zu der Familie ... Das Wappen der v. Schartenberg hatte in seinem Schilde einen monströsen Kopf, ein wirkliches Zerrbild, unter dem sich zwei menschliche Arme erhoben. Es ist dieses Wappenbild ganz der v. malsburgschen Helmzierde gleich. Wenn man diese Wappenähnlichkeit mit den so engen Beziehungen dieser Familien und das spätere Auftreten der v. d. Malsburg zusammenfaßt, so läßt sich die Vermuthung, daß die Familie v. Malsburg eine Linie der v. Schartenberg sein könnte, nicht wohl unterdrücken."
Südöstlich über dem kurhessischen Städtchen Naumburg, dicht an der Waldeckischen Grenze, erhebt sich ein ... bewaldeter Berg, auf welchem ehemals das Schloß Naumburg lag." Hier wird natürlich berichtet über die Grafen von Naumburg, aber jedoch auch in einer längeren Abhandlung über die Familie von Hertingshausen. Ebenso enthält die Beschreibung der Schauenburg "im jetztigen kurhessischen Kreis Cassel" eine vollständige "Geschichte der Familie v. Dalwigk" mit einem umfangreichen Quellen- und Literaturverzeichnis.
Über Schloß Rauschenberg wird u. a. berichtet, dass dort, nachdem der Besitz 1456 heimgefallen war, im Jahre 1500 "Wilhelm d. J. oder III. starb ... Bei rascher Verfolgung eines Hirsches stürzte sein Pferd, und ein alter Bruchschaden wurde durch das Heraustreten der Eingeweide so sehr verschlimmert, daß man ihn halb todt auf das Schloß Rauschenberg brachte, wo er dann auch nach drei Tagen am 17. Februar verschied."
Wenn Landau die Burg Hanstein mit einbezieht, so befindet er sich bereits im Thüringischen. Aber auch das hat natürlich gute Gründe, wie die umfangreiche Abhandlung über die bedeutende Familie von Hanstein insbesondere für die Zeit ergibt, in welcher der Landgraf und der Kurfürst von Mainz im nördlichen Hessen um die Vorherrschaft stritten. "Wenige Schloßtrümmer", so heißt es, "vermögen einen so tiefen Eindruck zu machen, als die des alten, weitbekannten Hansteins. Reich und interessant ist seine Geschichte, die Stammburg eines großen noch blühenden Geschlechtes, blickt er mit seinen hohen Thürmen und schwarzen Felsenmauern, gleich einem Mahnungszeichen der alten grauen Zeit hinab in die bläuliche Ferne. Diese Burg, eine der schönsten und größten in weiter Umgegend, liegt auf dem ehemals mainzischen, jetzt preußischen Eichsfelde, kaum dreiviertel Stunden von der, die hessische Grenze bildenden Werra ... Die von hansteinsche Familie nimmt einen Helwig Vicedom von Rüstberg als ihren Stammvater an". In der Folge werden dann alle bedeutenden Vertreter dieses Geschlechtes aufgeführt bis hin ins 19. Jahrhundert: "Auch in neuerer Zeit gab die Familie ausgezeichnete Männer; so focht Carl von Hanstein als hessischer General-Major in dem Revolutionskriege von 1792, führte die dritte Kolonne bei der Erstürmung Frankfurts, befehligte 1793 die dritte Division in den Niederlanden und starb 1804 als Generallieutenant und Gouverneur von Kassel." Landaus ausführliche Darstellung ist nahezu umfassend, dennoch merkt er an: "Noch mehrere würdige Männer dieser zahlreichen Familie ließen sich nennen, doch die genannten mögen genügen. Bedeutend sind ihre Besitzungen, nicht allein ausgedehnt um ihre alte Stammburg, sondern auch durch Hessen, Braunschweig und Hannover, Preußen und Sachsen u. a. zerstreut."
Weiter wird die Geschichte der Burg Altenstein, die sich immer in landgräflichem Besitz befand, zur Sprache gebracht, die der Burg Fürstenstein, wo die Diede zum Fürstenstein bis zum Heimfall im Jahre 1807 saßen und ebenso die Kaiserpfalz zu Gelnhausen.
Sehr ausführlich dargestellt auch die Vergangenheit der Burg Buchenau: "Dieses Schloß war einst der Stammsitz eines mächtigen Geschlechts, welches durch Jahrhunderte hindurch glänzend auftritt in der Geschichte des Vaterlandes." Hierbei finden vor allem zwei Persönlichkeiten der von Buchenaus aus dem 14. Jahrhundert ausführliche Erwähnung: "Eberhard und Gottschalk, Vettern und beide Ritter des goldenen Sporns, standen im unzertrennlichen Bruderbunde und erhoben sowohl durch ihre Vermittlungsgabe, als wie durch ihren kriegerischen Geist, ihren Namen unter die ersten ihrer damaligen Standesgenossen. Eberhard führte unter dem Volke den sonderbaren, mit ihm dem rüstigen Ritter, schwer zu verbindenden Beinamen die alte Gans." Er focht in vielen Fehden, darunter auch in einer mit dem Landgrafen Hermann.
Dergleichen Besonderheiten, um die heute niemand mehr weiß, finden sich bei Landau immer wieder. Es fehlt hier jedoch der Raum, weiter darauf einzugehen. Daher können folgende Burgen, die von Landau beschrieben werden, hier nur noch namentlich genannt werden: Burg Wildeck, Schloß Densberg, Burg Sensenstein, die Altenburg bei Felsberg, Burg Frauenberg, Schloß Biedenkopf, Schloß Wolkersdorf, Steckelberg, Stolzenburg, Tannenberg, Staufenberg, Eisenbach, Wartenberg, Wallenstein, Neuenstein, Hermannstein, Fürsteneck, Staden, Homberg, Burggemünden, Grebenstein, Morsberg, die Altenburg bei Alsfeld, Ludwigseck, Hatzfeld, Melnau, Lisberg, Rodersen, Schwarzenfels, Schöneberg, Ludwigstein, Holzhausen und Gudensberg.