Landaus Wüstungen
Rezension von Professor Dr. J. Fr. Battenberg
Hessisches Staatsarchiv Darmstadt

Georg Landau: Historisch-topographische Beschreibung der wüsten Ortschaften im Kurfürstenthum Hessen, hrsg. von Dieter Carl, Faksimile-Nachdruck der Ausgabe von 1858

Für Archivare und Historiker der hessischen Landesgeschichte ist die von Georg Landau 1858 bearbeitete Zusammenstellung der Wüstungen im Kurfürstentum Hessen ein noch heute unentbehrliches Nachschlagewerk - ähnlich dem ungefähr um die gleiche Zeit entstandenen Handbuch der Wüstungen im Großherzogtum Hessen Georg Wilhelm Justin Wagners. Während letzteres jedoch seit langem in einem Nachdruck vorliegt, in dem auch Ergänzungen (durch Friedrich Knöpp) aufgenommen wurden, ist Landaus Werk zu einem seltenen bibliophilen Stück geworden, das außer in Archiven und großen Bibliotheken kaum noch verfügbar ist. Insofern kann der Entschluss, es in der Reihe "Historische Edition" nachzudrucken, nur begrüßt werden. Ursprünglich als Supplementband der Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte erschienen, enthält die "Beschreibung" eine Zusammenstellung der wüsten Ortschaften im Kurfürstentum Hessen ebenso wie in den großherzoglich-hessischen Anteilen am Hessengau, am Oberlahngau und am Ittergau. Die Einteilung in "Sächsische Gaue", "Das fränkische Hessen", "Der Oberlahngau", "Thüringen", "Das Grabfeld", "Der Salgau", "Die Wetterau, der Maingau und der Niddagau" mag für heutige Leser sehr altertümlich erscheinen; sie entspricht aber doch den historischen Gegebenheiten und folgt den ursprünglichen geografischen Zusammenhängen. Das Ortsregister am Ende des Bandes fügt das etwas Auseinandergerissene wieder zusammen. Innerhalb der genannten Landschaften wird gerichtsweise gegliedert. Im übrigen werden innerhalb der Gerichtsbezirke die ermittelten Wüstungen in alphabetischer Reihung aufgeführt und mit den damals bekannten chronologischen Daten mitgeteilt; Nachweise werden allerdings nur in knapper Form mitgeteilt, in der Regel anhand veröffentlichter Quellen - Man mag nun einwenden, dass durch die Forschungen des Landesamtes für Geschichtliche Landeskunde in Marburg zahllose weitere Quellen erschlossen worden sind, die nach und nach zu topografisch angelegten Landesbeschreibungen ausgebaut werden. Abgesehen davon, dass es noch eine ganze Weile dauern wird, bis das auch Wüstungen umfassende "Historische Ortslexikon des Landes Hessen" vollständig vorliegt, ist doch der "Landau" als eine geschlossene Einheit von eigenständigem Wert, in dem man immer wieder gerne nachschlägt. Der Herausgeber hat der Faksimile-Edition eine kurze Biographie Georg Landaus angehängt, die dessen Lebenswerk eingehend würdigt.

J. Friedrich Battenberg
[Archiv für hessische Geschichte 58 (2000) 313]